Dass Musikpausen völlig unterbewertet sind, fällt einem gerade dann auf, wenn es keine mehr gibt.
Wiesnbesucher schwärmen von den gigantischen Bierpalästen, der ausgelassenen Stimmung, den selten so auf den Punkt gegarten Hendln und hin und wieder gar vom Wiesnbier. Musikpausen hingegen dürften höchstselten als Grund für einen Wiesnbesuch genannt werden. Freilich, wer um 16:30 Uhr seinen Sitzplatz pünktlich zur einstündigen Abendpause einnimmt, und die Kapelle eine Stunde nach ihrer Wiederkehr noch einmal für eine halbe Stunde die Bühne verlässt, mag das nicht sonderlich erfreulich finden.
Im Festzelt der Paulanerbrauerei, das seit heuer von sich behauptet, seit 1895 zu existieren, obwohl die Brauerei den Bezug zum 1895 vom Thomasbräu eröffneten Winzerer Fähndl schon 2019 kappte, geht es der Musikpause tatsächlich an den Kragen. Dafür sorgt die äußerst ungewöhnliche Kombination aus drei Kapellen. Nur bis 18:30 Uhr spielt mit den Ludwig-Thoma-Musikanten eine gestandene Festkapelle. Darauf folgen mit Tetrapack und Nachtstark ganze zwei Partybands, die jeweils nur zwei Stunden pausenlos auf der Bühne stehen. Somit werden die Zeltgäste mit Ausnahme von nur ganz kurzen Umbaupausen vom Reservierungswechsel weg ohne Pause beschallt.
Durch dieses neue Konzept ist dem Autor dieser Zeilen noch einmal deutlicher geworden, wie dienlich doch eigentlich die Musikpausen, jedenfalls die am späteren Abend, für die Dynamik einer Biertischgesellschaft sind. Schließlich sind es diese Pausen, die eine Intensivierung der Neubekanntschaft erlauben, sodass eine weitere Vertiefungsoption, möglicherweise sogar über den Wiesnbesuch hinaus, wenigstens evaluiert werden kann.
Die Musik holt die Menschen zum Singen hinauf die Bänke, die Pausen holen sie wieder herunter. Sowohl physisch als auch enthusiastisch. Doch Nähe entsteht oft erst beim Ratsch im Sitzen. Ohne einen solchen kann sich ein Wiesnabend durchaus recht leer anfühlen.
Vielleicht verhält es sich mit den Pausen ähnlich wie mit der Enge. Man muss nicht lange suchen, um jemanden zu finden, der sich über die Menschenfülle der Wiesn beschwert. Dass die Bevölkerungsdichte der Theresienwiese, insbesondere der Festzelte, aber ein ganz wesentlicher Aspekt ist, der den Reiz des schönsten Volksfests der Welt erst ermöglicht, wird gerne außen vor gelassen. Ohne dem Zwang, der nur oberflächlich ein solcher ist, sich einen Tisch mit Fremden zu teilen, wäre das Oktoberfest schließlich nicht das soziale Großereignis, das es ist.
Nur schwärmen wird von der Enge selten jemand. Genauso wenig wie von den Musikpausen. Und doch sind beide wichtig.
